Laderaumboden mit Airlineschienen für Tourneo Custom

Einleitung

November 2020: endlich ist es soweit: das lang ersehnte, neue Auto ist da. Nun galt es, den Kofferraum an die Erfordernisse anzupassen und mit einem zusätzlichen Ladeboden mit Airlineschienen auszurüsten.

Der alte Caddy darf nun mit fast 260.000km noch ein paar Jahre in Afrika fahren. Aber eine weitere Instandhaltung hätte sich hier nicht mehr gelohnt.

Da ja recht große Mengen Material zu Messen und Ausstellungen geschafft werden müssen und auch für Haus und Hof ein großer Kofferraum benötigt wird, rückte der Tourneo Custom in den Vordergrund. Nach Probefahrten und einigen zeitlichen Verzögerungen konnten wir im November 2020 endlich unser neues Auto in Empfang nehmen.

Beladung

Im Caddy war allein durch die Menge an Material eine vollständig form- und kraftschlüssige Beladung gegeben.

Der Tourneo Custom ist doch ein ganzes Stück größer, so dass die Packstücke sicher verzurrt werden müssen. Leider verfügt dieser über lediglich 2 Ladungssicherungsösen direkt an der Heckklappe. Für einen solch großen Laderaum etwas knapp.

Idee

Die Idee war, einen Holzboden einzubauen, der mit den sogenannten Airlineschienen ausgestattet ist. In diesen Airlineschienen können an jeder beliebigen Stelle Zurrgurte eingesetzt werden.

Zusätzlich sollte der Boden aber auch wieder schnell ausgebaut werden können oder aber so gestaltet sein, dass er dauerhaft im Auto verbleiben konnte. Außerdem wollte ich die Airlineschienen auch bei verschiedenen Sitzkonfigurationen einsetzen.

So sind nach langem Überlegen drei Platten entstanden: eine für den Kofferraum (bei eingebauter, zweiter Sitzreihe), eine für den Platz der zweiten Sitzreihe (bei zu 2/3 ausgebauter Sitzreihe) und eine letzte, kleine Platte (wenn die zweite Sitzreihe komplett ausgebaut ist).

Nun reicht es natürlich nicht, wenn ich eine Holzplatte in den Kofferraum lege und daran die Ladung befestige. Logischerweise muss auch die Holzplatte irgendwie mit dem Fahrzeug verbunden werden. Da das Auto möglicherweise auch mal wieder verkauft werden soll, muss eine Lösung her, die wieder rückstandsfrei zu entfernen ist. Da bieten sich die zahlreichen Bolzen der Sitze an. Pro Sitz sind zwei Schienen mit jeweils zwei Bolzen vorhanden. Auf der Unterseite des Bodens werden daher Stahl-Profile montiert, die unter die Bolzen greifen und damit den Boden fixieren.

Info zu Airlineschienen

Die Airlineschienen sind aus Aluminium und werden mit Schrauben am Unterbau fixiert.

In diese Schienen werden die sog. Fittinge oder Endbeschläge eingeklipst. Hieran können dann die Spanngurte befestigt werden. Es gibt auch Spanngurte mit bereits montierten Endbeschlägen.

Die Belastbarkeit der einfachen Endbeschläge liegt in der Regel bei 500 daN (entspricht ca. 500kg), die doppelten verkraften etwa 1000 daN.

 

 

 

 

 

 

Aufbau der Bodenplatte

 

Die Bodenplatte besteht aus einer 21mm dicken Multiplexplatte mit einer aufgeklebten Gumminoppenmatte mit ca. 3mm Dicke. Für die Airlineschienen wurden mit der Oberfräse entsprechend passende Nuten eingefräst. Die Airlineschienen haben einen Bohrlochabstand von ca. 7,5cm. In jedem Bohrloch befindet sich eine Schraube M6x16, die auf der Unterseite in eine Einschlagmutter mündet. Durch den großen Teller der Einschlagmutter wird ein Ausreißen des Holzes verhindert. Zusätzlich können die Schienen noch mit Sikaflex 252 verklebt werden.

 

 

 

Auf der Unterseite der Bodenplatte werden eingeschlitzte U-Profile mit einer M10-Schraube befestigt. Dieses Profil greift unter den Bolzen der Sitzbefestigungsschiene und fixiert so die Bodenplatte. Insgesamt werden auf der Fläche der Bodenplatte so 12 dieser U-Profile montiert.

Bei den beiden kleineren Platten werden 8 bzw. 4 Profile montiert.

 

Zeichnung

Die nachfolgende Zeichnung zeigt die notwendigen Abmessungen und Positionen der einzelnen Bauteile.

 

 

Bau der Bodenplatte

Zuschnitt

Der hier beschriebene Laderaumboden ist für den Ford Touneo Custom, kann jedoch grundsätzlich auch für andere Fahrzeuge angepasst werden.

Zunächst muss die Holzplatte zurechtgesägt werden. Die Länge ist dabei recht einfach zu ermitteln und kann mit der Handkreissäge abgelängt werden. Seitlich ist das durch die Einschnitte etwas komplizierter. Um sicher zu sein, kann man aus dünnem Sperrholz zunächst eine Schablone zuschneiden. Ein Fehlschnitt im dünnen Sperrholz ist deutlich billiger, als die große Multiplexplatte zu verschneiden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es folgte eine erste Probe im Auto. Dank zahlreicher Messungen und der Schablone passte der Boden auf Anhieb.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fräsen der Nuten

Im Anschluss erfolgte das Fräsen der Vertiefungen (Nuten) für die Airlineschienen. Wie in der Zeichnung oben erkennbar, werden die Airlineschienen um 7mm vertieft montiert. Dieses Maß ist abhängig von den verwendeten Airlineschienen. Es sollte beachtet werden, das die Oberkante des Gummibelages geringfügig höher liegt, als die vertiefte Airlineschiene.

Die Anordnung der Schienen erfolgte nach den zu verzurrenden Packstücken und kann natürlich an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden.

Zum Fräsen verwendete ich eine an einer Alu-Schiene geführte Oberfräse.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einpassen der Airlineschienen

Nachdem die Nuten eingefräst wurden, konnten die Airlineschienen auf das passende Maß geschnitten und montiert werden. Die Schienen sind mindestens in jedem drittem Loch zu verschrauben. Die von mir verwendeten Schienen waren bereits werksseitig passend gebohrt und mit Senkungen versehen. Das entspricht einem Befestigungsabstand von etwa 7,5cm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Befestigungshaken

Auf der Unterseite der Platte müssen schließlich noch die in die Sitzschienen greifenden U-Profile montiert werden.

Wie weit man die U-Profile einschlitzt, muss man im Versuch ermitteln. Am besten nimmt man sich ein Stück Restholz und schraubt drei bis vier Profile an der richtigen Stelle an und versucht, dieses in die Sitzschienen zu schieben. Ggf. muss man etwas nacharbeiten. Wurde das Profil zu weit eingeschlitzt, wird das Profil zu locker sitzen und die gesamte Platte wird zum Klappern neigen. Hat man zu wenig eingeschlitzt, bringt man die Platte nicht an seinen richtigen Ort geschoben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Bereich der Sitze befinden sich drei kleine Noppen zur Befestigung eines Teppichs. Da der Teppich eh entfernt werden muss, müssen auf der Unterseite der neuen Bodenplatte entsprechende Aussparungen vorgesehen werden.

 

 

 

 

 

 

Verklebung der Gumminoppenmatte

Zum Schluss wird die Gumminoppenmatte aufgeklebt. Am einfachsten geht dies, wenn zuvor die Airlineschienen entfernt wurden. Nachdem die Matten vollständig aufgeklebt wurden, können die Matten dann mit einem Messer entlang der Nuten geschnitten werden.

Welchen Kleber kann man verwenden? Tja, ich habe mehrere ausprobiert. Zunächst einmal kommt es darauf an, um welches Material es sich bei den Gumminoppenmatten tatsächlich handelt. Erste Versuche mit Pattex classic scheiterten vollständig. Hier war ich echt verblüfft, da ich mit diesem Kleber bislang eigentlich alles miteinander verbinden konnte. Hier aber löste sich der Kleberfilm trotz korrekter Anwendung vollständig und völlig rückstandfrei vom Gummi. Nachdem ich die Matten mit Seifenwasser gereinigt hatte, war die Haftung etwas besser, aber noch immer nicht zufriedenstellend. Also Versuch Nummer 2 mit Sikaflex 252. Leider gelang auch mit diesem sonst Teufelszeug und wochenlang nicht von den Fingern abzukriegenden Kleber keine vernünftige Verklebung. Langsam wurde ich nervös, denn irgendwie mussten die Matten da drauf.

Am Ende wurde es eine Kleberkombination: die Fläche wurde mit Sikaflex 252 geklebt und die Randbereiche mit Sekundenkleber. Dieser klebt die Gummimatte sicher auf das Holz, ich brauche aber keine Unmengen an Sekundenkleber.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die in der Zeichnung angegebenen Maße sollten unbedingt überprüft werden, ich weiß nicht, wie hoch die Fertigungstoleranzen im Fahrzeugbau sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

Einbau

Der Einbau der Platte erfolgt von hinten durch den Kofferraum. Hierzu ist die Platte schräg zu stellen und dann soweit nach vorne zu schieben, bis sie vollständig im Kofferraum ist. Nun wird sie so weit wie möglich nach hinten geschoben, bis sie mit den beiden vorderen Bögen an den Schiebetürrahmen anliegt. Sie muss jetzt auf den Befestigungshaken aufliegen. Dann wird die Platte langsam nach vorne geschoben. Hierbei wird sie bei korrekter Lage der Befestigungshaken schnell nach unten fallen, sodass die Befestigungshaken in die Befestigungsschienen rutschen. Jetzt fehlen noch die letzten 2,5cm, bis die Haken dann vollständig unter den Befestigungsbolzen sitzen.

Kosten

Ich habe für den Bau der Bodenplatte Materialien bei verschiedenen Händlern eingekauft. Teilweise mehr als aktuell benötigt. Die Multiplexplatte ist aufgrund ihrer Abmessungen in der Regel nicht im Holzzuschnitt in Baumärkten zu bekommen.

1 Holzplatte Multiplex Birke 21mm (ganze Platte 150x300cm) 120,-
3,6m² Noppenmatte 120x300cm 55,-
12m Airlineschiene Standard (sollte 2. Wahl sein und Kratzer aufweisen, die ich jedoch nicht finden konnte) 48,-
ca. 160 Senkschrauben M6x16 6,50
ca. 160 Einschlagmuttern M6 6,50
Fittinge bzw. Endbeschläge und Zurrgurte nach Bedarf

 

Warnung

Dieser Bauvorschlag stellt keine statisch oder sonst wie geprüfte Anleitung dar. Jeder Nachbau sollte hinsichtlich Belastbarkeit und Sicherheit überdacht werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.