Nach Zeichnungen konnte ich diese 3D-Druck-Modelle der Mammoet Litzenheber SSL900 nachbauen. Diese können im Original bis zu 900t heben.
Im Modell ist die eingefahrene Version ca. 30mm und die ausgefahrene Version ca. 40mm hoch. Die etwas kleinere Variante hatte ich kürzlich in diesem Beitrag vorgestellt.
Ein Litzenheber ist ein hochpräzises hydraulisches Hubsystem, das speziell zum kontrollierten Heben, Absenken und Positionieren extrem schwerer Lasten mithilfe von hochfesten Stahl-Litzen (Drahtseilen) entwickelt wurde. Diese Systeme werden vor allem im Ingenieurbau, Anlagenbau, Brückenbau sowie bei Offshore-Installationen eingesetzt, wenn konventionelle Krane an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen oder eine höhere Positioniergenauigkeit erforderlich ist.
1. Grundprinzip und Funktionsweise
Der Litzenheber basiert auf dem Prinzip des schrittweisen Durchziehens von Stahl-Litzen durch hydraulisch betätigte Klemmvorrichtungen. Dabei übernehmen sogenannte Klemmköpfe (Greifbacken) die Halte- und Vorschubfunktion.
Der Hubvorgang erfolgt zyklisch in folgenden Schritten:
- Obere Klemmvorrichtung greift die Litzen
- Hydraulikzylinder fährt aus und bewegt die Litzen relativ zum Gehäuse
- Untere Klemmvorrichtung greift zur Lastsicherung
- Obere Klemmvorrichtung löst und der Zylinder fährt zurück
- Zyklus wiederholt sich kontinuierlich
Durch diese Schrittbewegung wird die Last präzise gehoben oder abgesenkt.
2. Hauptkomponenten
a) Tragstruktur (Rahmengehäuse)
- Hochfester Stahlrahmen
- Aufnahme aller mechanischen und hydraulischen Kräfte
- Schnittstelle zur Montage an Tragwerken (z. B. Portale, Türme)
b) Hydraulikzylinder
- Doppeltwirkende Hochdruckzylinder
- Erzeugen die axiale Hubbewegung
- Typischer Betriebsdruck: 200–350 bar
c) Klemmköpfe (Greifmechanismus)
- Bestehen aus segmentierten Klemmbacken mit Keilprofil
- Selbstverstärkende Klemmwirkung unter Last
- Oberer Klemmkopf: Hubfunktion
- Unterer Klemmkopf: Haltefunktion
d) Litzen (Tragseile)
- Hochfeste, mehrdrähtige Spannstahllitzen
- Typische Durchmesser: 15,3 mm bis 21,8 mm
- Werkstofffestigkeit: ca. 1770–1960 MPa
e) Hydraulikaggregat
- Versorgung mit Drucköl
- Steuerung der Hubgeschwindigkeit und Synchronisation
- Elektronische Regelungssysteme für Mehrpunktbetrieb
f) Steuer- und Überwachungssystem
- Wegsensoren zur Positionskontrolle
- Drucksensoren zur Lastüberwachung
- Synchronisationssteuerung bei Mehrheberbetrieb
- Sicherheitsabschaltungen
3. Tragfähigkeit und Leistungsbereich
Typische Leistungsparameter im Schwerlastbereich:
| Tragfähigkeit pro Litzenheber | 50 t bis über 1.500 t |
| Gesamttragfähigkeit (Mehrheberbetrieb) | > 20.000 t möglich |
| Hubgeschwindigkeit | ca. 0,5 bis 10 m/h |
| Hubhöhe | theoretisch unbegrenzt, begrenzt durch Litzenlänge |
| Positioniergenauigkeit | ±1 mm oder besser |
4. Konstruktive Merkmale im Schwerlastbereich
- Modulares Design für skalierbare Tragfähigkeit
- Redundante Sicherheitssysteme
- Selbsthemmende Klemmmechanismen
- Gleichmäßige Lastverteilung über mehrere Litzen
- Hohe Betriebssicherheit auch bei Dauerlast
5. Einsatzgebiete
Typische Anwendungen umfassen:
- Brückenmontage und Brückenverschub
- Heben von Offshore-Plattformmodulen
- Installation schwerer Industrieanlagen
- Kraftwerksbau
- Turm- und Mastmontage
- Schwerlastverschubsysteme
6. Vorteile gegenüber konventionellen Hubsystemen
- Sehr hohe Tragfähigkeit bei kompakter Bauform
- Extrem präzise Positionierung
- Synchronisierter Mehrpunktbetrieb möglich
- Hohe Betriebssicherheit
- Unbegrenzte Hubhöhe möglich
- Geringer Platzbedarf im Vergleich zu Großkranen
7. Sicherheitstechnische Eigenschaften
- Mechanische Lastsicherung durch Klemmbacken
- Hydraulische Rückschlagventile
- Überlastschutz
- Redundante Greifsysteme
- Echtzeitüberwachung

















