Airbrush

Der Farbauftrag einer Airbrush-Lackierung ist bei richtiger Anwendung in jeder Hinsicht einer Pinsel-Lackierung überlegen. Doch was benötigt man alles zum "Airbrushen"?

Kapitelübersicht
eine Spritzpistole
eine Druckluftquelle
Grundierung
Farbe
Zubehör
geeignete Räumlichkeiten
Phantasie und Geduld
"Opfer"
abschließende Tips

Also doch ein ganze Reihe von Dingen. Ich möchte mal versuchen, die einzelnen Dinge etwas näher zu erläutern und ein paar Hinweise für einen Einkaufsbummel geben.

 

Spritzpistole

Das Grundprinzip eines Airbrush beruht darauf, daß Farbe durch einen Luftstrom mitgerissen und verteilt wird.

Dies läßt sich nun auf vielerlei Art bewerkstelligen.

Single-Action

Das Bild zeigt eine einfache Single-Action-Pistole mit Außenmischung.

Single-Action bedeutet, daß man einen Steuer-Hebel hat, der lediglich eine Funktion erfüllt: nämlich die Luftzufuhr zu regulieren. Je mehr Luft, desto mehr Farbe wird (vielleicht) aus dem Becher angesaugt. Die maximale Menge an Farbe kann über einen Stellring eingestellt werden.

Wie man gut erkennen kann, wir die Farbe nicht mittig in den Luftstrom eingesogen, sondern seitlich. Daraus resultiert ein kaum zu bestimmender Farbnebel. Dies ist solange gleichgültig, wie man lediglich Flächen spritzen möchte. Bei feineren Arbeiten, oder "echten" Airbrush-Arbeiten, ist dies in der Regel nicht tolerierbar.

 

Double-Action

Bei einer Double-Action-Pistole hat der Steuer-Hebel zwei Funktionen: Steuern der Luftzufuhr (drücken bzw. loslassen) und steuern der Farbmenge (zu sich ranziehen bzw. von sich wegdrücken). Dieser Mechanismus erfordert eine gewisse Fingerfertigkeit, die sich bei der ersten Benutzung kaum einstellen dürfte. Daher: Geduld.

Der Vorteil liegt nun darin, daß man die Farbmenge im laufenden Betrieb regulieren kann. Man beginnt also mit dem Öffnen der Luftzufuhr und "mischt" dann langsam Farbe dazu. In der Regel verfügen die Spritzpistolen über eine Mechanik zur Mengenbgrenzung für die Farbe.

 

 

Fließbecher

Ein Fließbecher ist immer oben auf der Spritzpistole angeordnet (so wie auf dem letzten Bild). Die Farbe fließt also in die Spritzpistol ehinein. Der Vorteil ist, daß man den Farbbecher nur mit soviel Farbe füllen braucht, wie benötigt wird (das kann ein einziger Tropfen sein).

 

Saugbecher

Beim Saugbecher hingegen wird die Farbe aus einem unten hängenden Becher angesaugt. Meistens sind Saugbecher größer und daher für kleinste Farbmengen nicht geeignet.

 

Für den Anfang empfehle ich das billigste Modell zu kaufen, daß man kriegen kann (ca. 15,- bis 20,- EUR). Im Ernst, dieses Modell ist robust und verzeiht auch mal eine "vergessene" Reinigung. Insbesondere ist dieses Modell aber für Grundierungen geeignet, die in der Regel auch Metalle angreifen. Hier wäre ein guter Airbrush einfach zu schade. Bei einem solch günstigen Modell handelt es sich um ein Single-Action-Gerät mit Saugbecher. Das heißt, daß man im Betrieb lediglich die Luftzufuhr öffnen oder schließen kann. Mit sehr viel Fingerspitzengefühl kann man die Luftmenge vielleicht noch halbwegs steuern. Die Farbmenge wird über eine Schraube fest eingestellt. Dieses Modell eignet sich sehr gut zum Spritzen von Flächen, also auch zum kompletten Lackieren von Fahrzeugen. Alle auf dieser Homepage ausgestellten Modelle sind mit dieser Spritzpistole gespritzt worden.

Ein weiterer Vorteil liegt darin, daß sich die Revell-Airbrush-Farbbehälter ohne Umfüllen an dieser Spritzpistole befestigen lassen. Nachtrag: Diese Aussage muß ich leider zurückziehen: ich mußte feststellen, daß mittlerweile einige Sets einen anderen Schraubverschluß besitzen, der zudem auch noch zu anderen Airbrushs nicht mehr paßt.

Am Anfang sollte man keine Wunder erwarten. Eine komplette Airbrush-Arbeit auf einem Modell (so z.B. ein schöner Sonnenuntergang in den Bergen oder der Wüste) dürfte einem auf Anhieb kaum gelingen. Also erst mal mit dem einfachen Gerät üben und die Handhabung erlernen. Dazu zählt ein immer gleicher Abstand zum Modell, gerade bei Flächen. Und immer im rechten Winkel zum Modell spritzen. Bei kantigen Modellen werden erst die Ecken und Kanten gespritzt und schließlich die restlichen Flächen. Jetzt wird sich manch einer fragen: "wie soll das denn gehen???". Nun ja, nicht ganz einfach, aber es geht. Grundvoraussetzung ist ein geringer Farbauftrag. Spritzt man ein Modell in einem Zuge deckend, so wird man keine Freude an der Lackierung haben: sie wird verlaufen und häßliche Nasen ziehen. Also: Düse so weit öffnen, daß gerade ein bißchen Farbe kommt. Näheres dazu im Kapitel Farbe.

Hat man dies alles gut hinbekommen und auch mal ein paar Farbverläufe gespritzt, kann man sich überlegen, ob man eine Spritzpistole für feinere Arbeiten benötigt. Mit einer solchen Spritzpistole sind dann auch kleinste Details machbar. Hier kommen dann die Double-Action-Geräte zum Zuge.

Auch ist zu beachten, daß man eine Spritzpistole nur in sehr eingeschränkter Weise bewegen kann, da sonst die Farbe aus dem Vorratsbehälter läuft.

Bei der Airbrush-Auswahl sollte man in ein Fachgeschäft gehen, da die Auswahl immens ist, wie auch das Anwendungsspektrum. Was will ich mit dem Teil eigentlich machen? Welche Farben möchte ich benutzen (dies ergibt sich oftmals aus dem geplanten Aufgabengebiet)? Wie viel möchte ich ausgeben? Welcher Düsendurchmesser wird bemötigt?

Plant man die Nutzung von lösungsmittelhaltigen Farben (z.B. Revell) so ist ein Airbrush notwendig, bei dem die Dichtungen lösungsmittelbständig sind (z.B. Teflon).

 

 

Druckluftquelle

Hier gibt es zwei Möglichkeiten: entweder eine Druckluftflasche oder einen Kompressor. Die Druckluftflaschen eignen sich nur für kleine, einfache Arbeiten, da der Druck zu sehr variiert und die Flasche recht schnell leer ist. Eine unter Umständen noch erwähnenswerte Alternative wären CO²-Flaschen. Die würde ich aber aufgrund ihres Gewichts auch nicht unbedingt zu den praktischsten Luftquellen zählen wollen. Wie beim Airbrush sowieso auf eine gute Lüftung geachtet werden muß, ist es bei CO² unabdingbar, sonst macht man möglicherweise nur eine Sitzung lebend mit. CO² ist schwerer als Luft und sammelt sich in Bodennähe, daher ist auch auf Haustiere zu achten.

Die in meinen Augen einzig vernünftigen Luftquellen stellen Kompressoren dar. Natürlich gibt es auch hier wieder eine unüberschaubare Auswahl.

Sogenannte Atelier-Kompressoren sind für den Einsatz mit Airbrushs spezialisiert. Sie sind besonders leise (Kühlschrank-Lautstärke) und können daher in jeder Wohung eingesetzt werden.

Daneben gibt es die großen Kompressoren mit großem Lufttank, die man in jedem Baumarkt kaufen kann. Diese Geräte machen allerdings in der Regel einen solchen Lärm, daß ein Einsatz in der Wohnung unterbleiben sollte, wenn man einen längeren Verbleib in der Wohnung in Betracht zieht.

Eine Ausnahmerolle nimmt ein Drucktank ohne Kompressor ein (von Schneider erhältlich). Den kann man an jeder Tankstelle auf den Druckluftanschluß hängen und dann wieder nach Hause und weiterspritzen. Wenn man also eine Tankstelle nebenan hat...

 

Grundierung

Eine Grundierung ist in jedem Fall dann empfehlenswert oder gar erforderlich, wenn die auf das Modell aufzubringende Farbe heller als der Untergrund ist. Läßt man in einem solchen Fall die Grundierung fort, können sich Schattierungen bilden, die den Gesamteindruck stark beeinträchtigen können.

Bei der Grundierung handelt es sich um eine relativ aggressive Farbe, die sich regelrecht in die Materialien hineinfrißt. Dies ist bei Metallen abolut wünschenswert, um eine kratzfeste Basis für den späteren Lack zu schaffen. Bei Kunststoffen (insbesondere Polystyrol) kann die Grundierung die Oberflächen so sehr angreifen, daß man eine rauhe Oberfläche erhält. Hier ist in jedem Fall eine Probe-Grundierung angeraten.

Ein weiterer Nachteil einer Grundierung ist natürlich die Tatsache, daß sie eine leicht füllende Wirkung hat. Bei sehr feinen, detailreichen Strukturen ist also Vorsicht angesagt.

 

Farbe

Airbrush-Farben gibt es viele: Lösemittelhaltige, wasserverdünnbare usw.

Die Farben werden nach dem geplanten Einsatzgebiet ausgewählt. Für Kuststoffe sind u.U. andere Farben notwendig, als für Textilien. Auch hier hilft der Fachhandel weiter.

Beim Spritzen ist zu beachten, daß die Farbe trocken auf dem Modell auftrifft. Es sollen sich keine nassen Flächen zeigen. Auch wird die Farbe in mehreren Durchläufen auf das Modell aufgebracht. Niemals versuchen, die Farbe in einem Zuge aufzubringen, dies führt in jedem Fall zu einer laufenden Farbe und dann haben wir nichts gewonnen.

 

Zubehör

Maskierfarbe

Dieser flüssige Maskierfilm eignet sich sehr gut zum Abdecken von fenstern, Windschutzscheiben etc. Er wird mit einem Pinsel auf die zu schützende Fläche aufgetragen. Das spätere Ablösen geht einfacher, wen der Film recht dick aufgetragen wird. Nach ein paar Stunden ist der Film getrocknet. Zu erkennen an der nahezu transparenten Eigenschaft.

Nach dem Spritzvorgang und dessen Trocknung kann der Film mit einer Pinzette wieder entfernt werden. Bei Flächen läßt sich der Film meistens in einem Zuge wieder entfernen.

 

Maskierfilm

Der Maskierfilm besteht aus einer leicht klebrigen Selbstklebefolie, die man allerdings nur auf geraden Flächen anwenden kann. Aus dem Maskierfilm werden dann die Flächen herausgeschnitten, die einen Farbauftrag erhalten sollen (z.B. Sterne auf einer Motorhaube). Im Gegensatz zum flüssigen Maskierfilm sollte diese Folie sofort nach dem Spritzen wieder entfernt werden, damit sich die Farbkanten noch etwas glätten können. Das Entfernen muß vorsichtig geschehen, um nicht die Farbe zu verschmieren.

 

Abdeckfolie

Abdeckfolien gibt es meistens mit einem Kreppband an einer Seite. Die Folie ist zusammengefaltet und hat entfaltet eine Größe von 20-50cm.

 

Airbrush-Halter

Leider gibt es noch keine schlauchlosen Airbrushs, so daß die Gefahr des Umkippens des Airbrushs immer gegeben ist. Abhilfe leistet hier ein Airbrush-Halter, der meistens zwei Geräte aufnehmen kann und an der Tischplatte befestigt wird. Bei der Auswahl sollte beachtet werden, daß die meisten Halter nur für Airbrushs mit Fließbecher geeignet sind. Ein Gerät mit hängendem Saugbecher paßt meist nicht.

 

Airbrush-Reiniger

Im Gegensatz zur Verdünnung wird mit diesem Airbrush-Reiniger die Farbe nicht aufgelöst (verdünnt), sondern angelöst. Und dies geht auch mit richtig angetrockneten Farben. Daher eignet sich das Zeug auch zum Entfernen von Farbe auf einem Modell.

Nach der Reinigung eines Airbrush mit diesem Reiniger sollte man ihn komplett zerlegen und auch die letzte Krume von alten Farbresten entfernen, da diese sonst doch beim nächsten Spritzen irgendwo in der Farbdüse steckenbleiben.

 

Räumlichkeiten

Durch das Grundprinzip bedingt gelangt die Farbe leider nicht nur dorthin wo man sie hin haben möchte. Die aus dem Airbrush austretende Luft führt einen Farbnebel mit sich. Trifft dieser Farbnebel auf ein Hindernis, wird ein Teil der Farbe auf das Hindernis aufprallen und dort festhaften (eben genau das, was wir eigentlich wollen). Aber das Hindernis sorgt auch dafür, daß ein Teil der Luft abgelenkt wird und seinen Farbanteil mitnimmt. Wohin dies geht ist einfach zu sagen: überall hin (nach links, nach rechts, oben und unten und zurück). Und auch hier wird die Luft mitsamt der mitgeführten Farbe irgendwann ein Hindernis treffen, wo sich die Farbe dann absetzt (Sofa, Küchentisch, Nase, ....). Nur ein Teil der versprühten Farbe gelangt auf das Modell. Daher ist die Suche nach einem geeigneten Raum besonders wichtig. Am besten ist natürlich eine entsprechende Werkstatt oder Keller. Aber auch hier sollte man die unmittelbare Umgebung durch Folien oder alte Bettlaken schützen. Je rauher dieses Material ist, desto besser.

Für Spritzarbeiten in unseren Dimensionen werden auch zusammenklappbare Spritzboxen angeboten, die mit einer Art Vlies ausgelegt sind. Vorschläge für Selbstbauten sind herzlich willkommen.

Eine Nummer größer (und teurer) sind kleine oder große Absauganlagen. Kleinere sind für wenige hundert Mark zu erhalten und saugen die Luft mit Hilfe von großen Lüftern ab. Meistens wird die Luft über Aktivkohlefilter gereinigt.

 

Opfer

Zwar ist es schade, wenn auf einem alten, unbrauchbaren Fahrzeug ein Meisterwerk entsteht, aber der Ärger über ein durch Airbrush ruiniertes limitiertes (natürlich nicht mehr erhältliches) Sondermodell dürfte weitaus größer sein.

Daher: an alten Modellen üben. Vielleicht liegen noch irgendwo alte Siku-Autos rum, die nicht mehr benötigt werden.

 

 

Abschließende Tips

Zum Schluß noch ein paar Tips für die Arbeit:

Kleinteile läßt man zum Spritzen am besten am Spritzling. Das erleichtert die Sache wesentlich. Man kann dann bequem an einer freien Stelle am Spritzling festhalten.
Kleinteile, die schon vom Spritzling entfernt wurden, kann man auf einem Streifen Tesafilm oder doppelseitigem Klebeband, das man auf einem Stück Holz o.ä. befestigt, ebenfalls gut verarbeiten.
Andere Teile hängt man nach dem Spritzen an einem möglichst staubfreien Ort auf. Auch hier bietet sich wieder ein Chemiestativ an. Aus Draht biegt man sich die Haken zurecht. So bleibt an dem gespritzten Objekt nur eine sehr kleine Stelle zurück, die meistens auch noch an nicht sichtbarer Stelle liegt.
Massenteile kann man in einem Pappkarton ablegen.

 

© 2000-2016 by Andreas Schulze -- Impressum -- letzte Änderung: 08.03.2016