Bau einer Werkbank

Beim Umbau einer Werkstatt sollte die alte Werkbank durch ein neues, größeres und zweckmäßigeres Modell ersetzt werden. Da käuflich zu erwerbende Werkbänke zwar schön aussehen, aber der Preis einem die Tränen in die Augen treibt, wurde ein kompletter Selbstbau beschlossen.

Der Bau ist mit normalem Handwerkszeug zu bewältigen, allerdings geht es mit maschineller Hilfe doch einfacher.

Je nach Einsatzzweck lassen sich an ein paar Stellen sicher auch Vereinfachungen vornehmen.

Ein weiterer Beitrag befasst sich mit einigen selbst gebauten Zubehör-Teilen.

Material

Zunächst geht es an die Berechnung der Materialmenge. Mit ein bißchen Überlegung kann man hier eine Menge Verschnitt sparen und so die Kosten etwas reduzieren.

Bauteil Material Abmessung Anmerkung
Fuß Kantholz gehobelt 590 x 58 x 58
Stütze Kantholz gehobelt 780 x 58 x 58
Querträger Kantholz gehobelt 590 x 58 x 58
Längsträger Kantholz gehobelt * x 58 x 38
Arbeitsplatte OSB-Platte * x 660 x 18 auch in 15mm Stärke erhältlich
Einlegeboden OSB-Platte 530 x * x 18 auch in 15mm Stärke erhältlich
Abschlußleiste Kiefern-Leiste * x 10 x 60
Schraube Sechskantschraube 130 x 8
* dem jeweiligen Bedarf anzupassen

Zuschnitt

Hier sehen wir erst einmal den prinzipiellen Aufbau der Werkbank. Sie besteht aus mehreren, mit zwei Längsträgern verbundenen, Stützelementen.

 

 

 

 

 

Nun geht es also an den Zuschnitt der Teile.

Dazu ist folgendes zu sagen: da die Kanthölzer später genau im rechten Winkel aufeinander stehen müssen, sollte man das Ablängen mit einer Kreissäge machen. Sie muß nur in der Lage sein, die knapp 6cm dicken Hölzer durchzutrennen. Mit einem Längenanschlag kann man notfalls auch in zwei Etappen (zunächst die Ober- und dann die Unterseite) durchsägen.
Hat man diese Möglichkeit nicht, empfiehlt es sich, die Hölzer gleich beim Kauf auf die richtige Länge schneiden zu lassen. Sollte dies zunächst nicht machbar sein, sollte man die Einkaufsstätte wechseln, denn die taugt nichts…

 

Für jedes Stützelement werden vier Hölzer benötigt: 2 Querträger und 2 Stützen.

Die Stützen sind zunächst lediglich auf Länge zu schneiden. Dabei kann man von folgender “Formel” ausgehen:

Länge der Stütze = Arbeitshöhe – Arbeitsplattenstärke – 2 * Kantholzstärke

Die Arbeitshöhe muß jeder für sich ermitteln. Auch im Hinblick darauf, ob man an der Werkbank eher steht oder die sitzende Haltung bevorzugt. Ich habe eine Arbeitshöhe von 94cm eingestellt, bin aber auch recht groß.

Kommen wir nun zu den beiden quer liegenden Hölzern, dem Fuß und dem Querträger. Beide Hölzer können in der gleichen Länge angefertigt werden.

Länge des Fußes/Querträger = Tiefe der Arbeitsplatte – 10cm

So steht die Arbeitsplatte vorne und hinten jeweils 5cm über.

Die beiden (vorne und hinten) längs verlaufenden Längsträger richten sich in der Länge natürlich nach der Länge der Werkbank. Auch hier sollte man ca. 5cm auf jeder Seite kürzer sägen als die Arbeitsplatte lang sein wird. Reciht die Länge eines Kantholzes nicht aus, so sollte man die beiden Teilstücke zwischen zwei Stützelementen miteinander verbinden (durch Abplattungen).

Hier ist das weitere Konstruktionsprinzip zu erkennen: der Quer- und Längsträger wird mit einer Kerbe versehen, die exakt der Stärke der Kanthölzer entspricht.

Für den Längsträger entspricht der Abstand der Kerben genau dem Abstand der Stützelemente. Ich habe einen Abstand von 66cm gewählt, da ich so eine gleichmäßige Verteilung der Stützen habe. Bei Verwendung der von mir vorgeschlagenen Bauteile ist ein Abstand bis zu 80cm ohne weitere Einschränkungen möglich.

Die Kerbe ist von der Tiefe her sehr genau anzufertigen, sonst gibt es später klappernde Fugen. Die beiden Längsträger sind in jedem Fall durch Schraubzwingen zu verbinden und in einem Arbeitsgang einzukerben, damit die Stützelemente hinterher auch gerade stehen.

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Bild zeigt schon mal einen probeweisen Zusammenbau von Längs- und Querträgern. Die Längsträger werden hochkant verarbeitet und eingebaut.

Links im Bild ist eine Verlängerung des Längsträgers vorgesehen.

Für den nächsten Arbeitschritt ist es notwendig zu wissen, daß die Querträger auf der Oberseite und die Längsträger auf der Unterseite eingekerbt werden müssen/sollen. Dies hat einfache mechanische Gründe.

Hat man die Kerben gut ausgeführt, so sollen die Einzelteile jetzt “handfest” zu montieren sein. Wenn es ein wenig wackelt, ist es nicht so schlimm.

Die Oberseiten von Längs- und Querträgern müssen jetzt eine ebene Fläche ergeben, sonst sollte man die Kerben noch einmal nacharbeiten. Wie? Schon zuviel Holz weggenommen? Pech. In dem Fall sollte man in jedem Fall durch unterlegen von Pappstreifen das gewünschte Ergebnis erzielen.

Nun müssen wir für die Holzschrauben (10x130mm) eine Senkung mit einem Forstnerbohrer vornehmen. Der Bohrer hat einen Durchmesser von 25mm und wir senken ca. 11mm tief.

Nach dem Senken wird eine lotrechte Bohrung von 10mm durch beide Kanzhölzer hindurch vorgenommen.

 

 

 

Unter dem Schraubenkopf ist eine Kotflügelscheibe 10.5x25mm zu montieren, damit wir die Schraube nicht durch das Holz durchdrehen.

 

 

 

 

 

 

Zusammenbau

Nachdem wir nun fast alle Bauteile zugesägt haben, können wir mit dem Aufbau beginnen. Dazu sind am besten zwei weitere Hände zu gebrauchen.

Jetzt wird es etwas knifflig: es sind jetzt in die Stützen stirnseitig recht tiefe Bohrungen für die Schrauben vorzunehmen. Eine wirklich optimale Lösung habe ich bis jetzt auch noch nicht gefunden. Aber: wenn man sich eine Art Schablone anfertigt, die die Stütze in richtigen Abstand zur Vorderkante bringt und gleichzeitig für einen bündigen Abschluß am Querträger sorgt, klappt es schon ganz gut.

Achtung: es ist jetzt ein 8mm Boherer zu verwenden, den man nun mittig in das bereits vorhandene Loch setzt und so tief wie möglich bohrt. Da wir eine Tiefe von mindestens 9cm erreichen müssen, wird es erforderlich sein, die Bohrung in zwei Etappen vorzunehmen. Beim zweiten Mal dann ohne aufliegenden Querträger.

Ach ja: das die Stütze zum Bohren allseitig rechtwinklig ausgerichtet sein sollte, versteht sich doch wohl von selbst, oder?

Hat man dies geschafft, verfährt man auf der Unterseite, also zur Befestigung des Fußes analog.

Anschließend können die vier schrauben pro Stützelement eingeschraubt und festgezogen werden (Kotflügelscheibe nicht vergessen!).

Da die Schrauben später eigentlich nicht mehr erreichbar sind, sollte man sie nach ein oder zwei Tagen noch einmal etwas nachziehen.

 

 

Da ich die Werkbank um die Ecke gebaut habe, sind hier noch ein paar weitere Bilder zu sehen.

Auch die Eckverbindung wurde mit eingekerbten Hölzern hergestellt.

 

 

 

 

Für eine schwere Fräse hatte ich zusätzlich zwischen drei Stützelementen einen weiteren, dritten Längsträger eingebracht. Mittlerweile halte ich dies nicht für notwendig. Die Werkbank hält Tonnen aus.

 

 

 

 

 

Nachdem das Grundgerippe jetzt steht, kommen wir zu der Arbeitsplatte.

Die Arbeitsplatte besteht aus zwei Lagen OSB-Platte mit je 19mm Stärke. Durch die Nut- und Feder-Verbindung der Platten lassen sich auch lange Werkbänke problemlos zusammenfügen.

Die beiden Lagen habe noch einen weiteren Vorteil: ist die obere Platte einmal unansehnlich geworden (Riefen, Bohrlöcher etc.) läßt sich die obere Platte problemlos auswechseln.

Um das zu ermöglichen, müssen ein paar Punkte beachtet werden. Zunächst ist die Randabschlußleiste für hinten nur an der unteren Platte zu montieren. Dazu ist die hintere Kante mit der Kreissäge von Nut oder Feder zu befreien und die Leiste anzuschrauben.

Dann kann die untere Platte auf das Gestell gelegt werden und mit diesem verschraubt werden. Hierzu habe ich drei Schrauben (3.9 x 55) in jeden Querträger geschraubt und ebenfalls je drei Schrauben zwischen den Stützelementen in die beiden Längsträger geschraubt. Es sollte sich jetzt keine Zwischenräume mehr zwischen Platte und Kanthölzern ergeben. Das führt sonst zum Klappern, wenn man hämmert.

 

 

 

Anschließend wird die obere Platte (auch an der Hinterkante von Nut oder Feder befreit) aufgelegt. Um eine optimale Stabilität zu erreichen, werden die beiden Plattenstöße versetzt.

 

 

 

 

 

Hier ist die hintere Randleiste zu sehen, die mit Nägeln an den Platten befestigt wird. Wichtig: nicht leimen, sonst kann man die obere Platte nicht tauschen.

 

 

 

 

 

Zum Abschluß wird die Vorderkante mit einer Handkreissäge abgesägt, um beide Platten auf ein einheitliches Maß zu bringen.

Die Kante kann schließlich noch angefast werden.

Als Lack würde ich Parkettlack empfehlen, der ergibt eine harte, kratzfeste Oberfläche.

 

 

 

Fertig

 

 

 

 

 

 

 


Verwandte Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.