Umbau einer PIKO G6 Rangierlokomotive

Anfang 2017 beschaffte ich zwei PIKO Dieselloks vom Typ G6. Optisch sind die Loks meines Erachtens ein absolutes Highlight.
Da ich die Loks ohne Dekoder einkaufte und keinen Sounddekoder verbauen wollte, erfolgte die Nachrüstung mit einem ESU Lokpilot 4.
Ein erster Fahrversuch ergab ein, nennen wir es mal grottenschlechtes Fahrverhalten, insbesondere im relevanten Langsamfahrbetrieb.

Aber der Dekoder bietet ja zahlreiche Einstellmöglichkeiten und ein automatisches Einmessen.
Also begann ein tage- bzw. wochenlanger Versuch, den Loks ein halbwegs akzeptables Fahrverhalten abzugewinnen. Leider vollkommen erfolglos.
Die Lok ruckelte und stockte gerade im Langsamfahrbereich ohne Ende.
Also untersuchte ich die eingebaute Platine in der Lok, da der Dekoder als Fehlerquelle für mich ausschied, da ich diesen Typ bereits dutzendfach verbaut hatte. Zunächst war dies mangels Schaltplan ein mühsames Unterfangen. Durch Zufall stieß ich im Internet auf Leidgenossen, die berichteten, dass bei den meisten PIKO-Loks ein Entstörkondensator verbaut ist, der die Motorsteuerung stört.
Da sich die Berichte zwar auf andere Loks bezogen, vom Thema aber passten, analysierte ich die Platine auf diesen Kondensator. Und wurde fündig.
Kurzerhand wurde der Kondensator ausgelötet und ein neuer Fahrversuch gestartet. Ich traute meinen Augen nicht: die Lok war nicht mehr wiederzuerkennen, plötzlich waren Langsamfahreigenschaften vorhanden, wie ich sie bei dieser Lok bislang noch nicht gesehen hatte.
Die zweite Lok wurde der gleichen Prozedur unterzogen, mit identischem Erfolg.

Hintergrund

Kurz gefasst: der Kondensator dient im Analogbetrieb der Entstörung des Motors, damit von der Lok keine ungewollten Störstrahlungen ausgehen.
Wird nun aber im Digitalbetrieb ein Dekoder zwischengeschaltet, werden dem Dekoder durch den Kondensator falsche Motorkenndaten vorgegaukelt und der Dekoder steuert somit den Motor falsch an, was in einem ruckelnden Fahrverhalten resultiert.

Nachbau
Wie auf den Fotos zu sehen, ist der Kondensator mit 0.8 x 1.2mm recht klein. Zudem muss die Platine für den Auslötvorgang zumindest ein wenig herausgehoben werden.
Aufgrund der sehr nahe liegenden Spulen ist größte Vorsicht beim Auslöten geboten.
Es ist ferner davon auszugehen, dass eine ggf. noch vorhandene Gewährleistung mit dem Eingriff hinfällig wird.
Da ich lediglich den ESU-Dekoder ausprobiert habe, ist es natürlich auch möglich, dass die Loks mit einem anderen Dekoder auch ohne Umbau einwandfrei laufen. Eine Garantie, dass die Loks mit dem Umbau besser laufen als vorher, kann nicht gegeben werden. Dies können nur individuelle Versuche am eigenen Exemplar zeigen.

 

 

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